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Diesel: Wie gefährlich sind Abgase wirklich?

6.000 Tote in Deutschland durch Stickstoffdioxid – diese Schlagzeile ging im Frühjahr durch die Medien. Das giftige Gas, das unter anderem Diesel-Autos ausstoßen, soll außerdem für hunderttausende Asthma- und Diabeteserkrankungen verantwortlich sein. Warum diese Zahlen mit Vorsicht gelesen werden sollten, das erklärte Prof. Dr. Martin Göttlicher vom Institut für Molekulare Toxikologie und Pharmakologie des Helmholtz Zentrums in München beim pharmacon, einem Apotheker-Fortbildungskongress in Meran, Italien.

6.000 Tote in Deutschland durch Stickstoffdioxid – diese Schlagzeile ging im Frühjahr durch die Medien. Das giftige Gas, das unter anderem Diesel-Autos ausstoßen, soll außerdem für hunderttausende Asthma- und Diabeteserkrankungen verantwortlich sein. Warum diese Zahlen mit Vorsicht gelesen werden sollten, das erklärte Prof. Dr. Martin Göttlicher vom Institut für Molekulare Toxikologie und Pharmakologie des Helmholtz Zentrums in München beim pharmacon, einem Apotheker-Fortbildungskongress in Meran, Italien.

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Fakt ist: Stickstoffdioxid (NO2) schädigt die Schleimhäute und Zellen im Körper. Das Bundesumweltamt hat für die NO2-Konzentration in der Luft deswegen einen Grenzwert festgelegt. "Dieser liegt bei 40 µg/m³ und wird in Deutschland seit Jahren nicht mehr überschritten", sagt Göttlicher. "Die Frage, woher die 6.000 Todesfälle kommen, liegt also auf der Hand."

Zunächst müsse man sich klarmachen, dass die Zahl aus Modellbetrachtungen entstanden ist: "Das ist einfache Mathematik: Viele Werte, wie die NO2-Belastung in Deutschland und die umweltbedingten Krankheitsfälle, sind dazu vielfach gemittelt worden", erklärt Göttlicher. Die Zahl sei – rein statistisch betrachtet – also richtig. Die Frage, warum jemand krank geworden oder früher verstorben ist, lasse sich aus solchen statistischen Berechnungen aber nicht eindeutig beantworten. "Krankheiten entstehen nicht durch eine einzige Ursache. Es ist ein Zusammenspiel sehr vieler Faktoren: Neben der Umweltbelastung spielen natürlich die Gene eine wichtige Rolle", verdeutlicht der Mediziner und Toxikologe. Dazu komme, dass andere Risikofaktoren wie Feinstaub, Ozon oder Lärm sehr oft zusammen mit NO2 auftreten und sich die Stickstoffdioxid-Belastung daher nicht gesondert betrachten lasse. Bei den 6.000 Toten handelt es sich außerdem nicht um gesunde Menschen, die plötzlich tot umfallen. Es geht dabei um vorzeitige Todesfälle – also, dass jemand gestorben ist, ehe er eine Lebenserwartung erreicht hat, die eine Statistik ihm vorausgesagt hätte.

Dass Stickoxide der Gesundheit schaden, daran bestehe kein Zweifel. Aber auf die Dosis kommt es an: "Die Messstationen für NO2 dürfen nicht weiter als fünf Meter von einer Fahrbahn entfernt stehen. Doch diese fünf Meter machen enorm viel aus", weiß Göttlicher. So sei die Belastung für Verkehrsteilnehmer auf einer vielbefahrenen Straße sehr viel höher als am Gehweg oder in einer Seitenstraße. Soweit es möglich ist, sei es daher ratsam, Staus oder die Rushhour zu meiden, da hier die NO2-Belastung besonders groß ist.

NK

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