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"Implantate für Diabetiker? Ja, bei guten Werten"

Etwa eine Million künstliche Zahnwurzeln werden jedes Jahr in Deutschland gesetzt. Experte Dr. Jochen Schmidt erklärt, unter welchen Bedingungen Implantate auch bei Diabetes infrage kommen

 

Etwa eine Million künstliche Zahnwurzeln werden jedes Jahr in Deutschland gesetzt. Experte Dr. Jochen Schmidt erklärt, unter welchen Bedingungen Implantate auch bei Diabetes infrage kommen

 

von Dr. Sabine Haaß, 13.04.2018

 

 

 

 

 

Macht attraktiv: Ein strahlendes Lächeln

Fotolia/drubigphoto

Wann raten Sie Ihren Patienten zu einem Implantat?

Wenn ein Zahn fehlt, dessen Nachbarzähne völlig in Ordnung sind. Für eine Brücke müsste man sie abschleifen, dabei geht viel gesunde Zahnsubstanz verloren. Bei großen Füllungen oder zu erneuernden Kronen an den Nachbarzähnen ist die Brücke eine sinnvolle Alternative. 

Was spricht noch für ein Implantat — und was dagegen? 

Die Belastung der eigenen Zähne beim Kauen wird geringer, das Implantat gibt ein natürliches Kaugefühl. Wird eine Prothese nötig, lässt sie sich gut daran verankern. Voraussetzung für das Einheilen und die Haltbarkeit eines Implantats ist aber eine gute Allgemeingesundheit.

 

 

 

 

 

Dr. Jochen Schmidt ist Zahnarzt in Prien am Chiemsee. Zu seinen Spezialgebieten ­gehören die Parodontologie und die Implantologie

W&B/Ken LIU

Was bedeutet das? 

Es sollten möglichst keine Risikofaktoren vorliegen, die zu Komplikationen am Implantat führen können. Dazu gehören zum Beispiel das Rauchen, hohe Blutzuckerwerte oder die Einnahme von Kortison und anderen Medikamenten, die das Immunsystem beeinträchtigen, aber auch eine Parodontitis.

Diabetes an sich ist also kein Hinderungsgrund für ein Implantat? 

Nein. Solange der Blutzucker gut eingestellt ist und die Werte stabil sind, spielt der Diabetes keine entscheidende Rolle. Eine Parodontitis muss behandelt und abgeheilt sein, bevor der Zahnarzt das Implantat setzt. Und der Patient muss seine Zähne sorgfältig pflegen, um sein Implantat nicht zu gefährden. Das alles gilt aber genauso, wenn es um eine Brücke geht. 

Wie läuft das Einsetzen ab? 

Der Zahnarzt schneidet unter örtlicher Betäubung das Zahnfleisch auf und bohrt ein Loch in den Kiefer. Dann dreht er das Implantat ein und näht das Zahnfleisch zu. Dafür braucht er etwa eine Stunde. Drei Monate später legt er das Implantat wieder frei und macht Abdrücke für eine Krone. Nach etwa vier Wochen ist sie fertig und wird auf dem Implantat befestigt. Reicht die Knochenmasse im Kiefer nicht aus, muss vor dem Einsetzen erst Knochen aufgebaut werden. Dann dauert das Ganze einige Monate länger.

 

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Wie hoch sind die Kosten? 

Das kommt darauf an, wie aufwendig der Eingriff ist. Ein Implantat ist ab etwa 1000 Euro zu haben und damit gar nicht so viel teurer als eine Brücke. Die gesetzlichen Kassen zahlen einen Festzuschuss: bis zu 65 Prozent der Durchschnittskosten, die sie für die Standardversorgung, also für eine Brücke, übernehmen würden.

Wie lange hält ein Implantat?

Genauso lange wie ein eigener Zahn. Vorausgesetzt, Sie pflegen es sorgfältig, so wie auch Ihr gesamtes Gebiss. Die Komplikationsrate ist zwar bei Diabetes erhöht, aber insgesamt niedrig: Zu Problemen wie Entzündungen am Implantat kommt es bei einem Prozent der Nicht-Diabetiker und drei Prozent der Diabetiker. 


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