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Kampf gegen Arzneien im Abwasser

Die Rückstände von Medikamenten im Abwasser nehmen zu. Neue Technologien sollen Abhilfe schaffen und die Umwelt schützen

 

Kampf gegen Arzneien im Abwasser

Die Rückstände von Medikamenten im Abwasser nehmen zu. Neue Technologien sollen Abhilfe schaffen und die Umwelt schützen

von Larissa Gaub, 28.06.2018

 

 

 

 

Kläranlage in Aachen-Soers: Das Wasser enthält auch Schmerzmittel und Blutdrucksenker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wann die Menschen in Aachen-Soers ihre Medikamente schlucken, weiß Ira Brückner ziemlich genau. Etwa das Antibiotikum Sulfamethoxazol, das gegen Harnwegsinfekte oder Lungenentzündungen helfen soll. Morgens und abends ist die Konzentration des Wirkstoffs im Abwasser erhöht.

Wir scheiden viele Medikamente unverändert wieder aus

"In der Kläranlage lassen sich die Einnahmezyklen von Arzneimitteln sehr genau verfolgen", berichtet die Umweltingenieurin vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER). Viele Medikamente, die wir schlucken, scheidet der Körper unverändert wieder aus. Sie gelangen mit dem Abwasser in die Kläranlagen.

Manche dieser Substanzen lassen sich Brückner zufolge mittlerweile durch die mechanisch-biologische Reinigung herausfiltern und abbauen, zum Beispiel Ibuprofen. Am häufigsten seien Inhaltsstoffe von Schmerzmitteln und Antibiotika im Abwasser zu finden.

 

 

 

 

 

Blutdrucksenker in der Toilette

Aber auch die Rückstände einer anderen Medikamentengruppe werden in immer größer werdenden Mengen festgestellt: Blutdrucksenker. Allein im Jahr 2014 wurden in Deutschland 400 Tonnen solcher Präparate verschrieben. Beinahe die gleiche Menge der Medikamente schwimmt im Abwasser, wie Umweltexperten auf einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie Ende 2017 in Berlin berichteten. Ihre Sorge, dass diese Werte weiter steigen könnten, scheint berechtigt. Die Menschen werden zunehmend älter, die Zahl der Patienten, die ihren Blutdruck mit Arzneimitteln senken müssen, dürfte noch wachsen.

 

 

 

 

 

Welche Effekte die Rückstände auf die Umwelt haben, ist kaum erforscht. "Es ist schwer, genau zu sagen, welche Wirkung die Medikamente haben, wenn sie vom Körper ausgeschieden werden", sagt Dr. Frank Brauer vom Umweltbundesamt. Bei Arzneimitteln im Abwasser sprechen Fachleute wie er von Mikroverunreinigung. Oft sind die Konzentrationen so gering, dass sie nur schwer messbar sind. Erst nach und nach entstehen Technologien, die auch stark verdünnte Konzentrationen nachweisen können.
Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind bis zu 150 verschiedene Arzneistoffe in deutschen Gewässern und Böden zu finden, manche davon  scheinen die Umwelt in der Tat stark zu beeinflussen.

 

 

 

 

 

Hormone verweiblichen Fische

So testeten Forscher das Wasser in europäischen Bergseen und fanden erhöhte Konzentrationen von Substanzen, die ähnlich wie Hormone wirken, etwa Inhaltsstoffe der Anti- babypille oder Weichmacher aus Plastikflaschen. Die Folge: Die männlichen Fische in den Seen verweiblichen, können sogar unfruchtbar werden, schlimmstenfalls sterben.

Kläranlagen müssen zunehmend zu teuren Reinigungsmethoden greifen, um solche unerwünschten Stoffe aus dem Wasser zu fischen. Eines der Verfahren testet momentan die Kläranlage in Aachen-Soers.

 

 

 

 

 

 

Reinigendes Ozon

Mithilfe von Ozongas sollen die Substanzen hier herausgefiltert werden. "Die Medikamentenreste werden angeknackt, zerkleinert und in den nachgeschalteten Stufen beseitigt", erklärt Brückner (siehe Grafik). Das Team um die Umweltexpertin besteht aus Ingenieuren, Biologen, Chemikern und Statistikern. Ihr gemeinsames Ziel ist es, die Wasserqualität zu verbessern.

 

 

 

 

Stufen der Kläranlage mit erweiterter Reinigungsstufe

 

 

 

 

 

 

Seit Anfang Januar 2018 ist die er­weiterte Reinigungsstufe angeschaltet – mit einem gewissen Erfolg. "Durch die Ozonung können gut 80 Prozent der Spurenstoffe entfernt werden", erklärt Brückner. Doch nicht alle Substanzen reagieren auf die Methode. "Manche Wirkstoffe werden verändert, aber nicht entfernt", erläutert Brauer vom Umweltbundesamt. Auch sie beeinflussen die Um­welt – wie genau, weiß bisher niemand.

Appell an Ärzte und Pharmafirmen

"Wir sollten uns nicht allein auf den Ausbau der großen Klär­anlagen verlassen", betont Brauer. Laut einer Umfrage spülen 47 Prozent der Bundesbürger ihre ab­gelaufenen flüssigen Medikamente gelegentlich einfach in der Toilette hinunter. "Es ist aber wichtig, dass Medikamente richtig entsorgt werden", sagt Brauer.

 

 

 

 

 

In der Regel gehören alte Medikamente in den Restmüll, falls dieser thermisch verwertet wird. Auch zahlreiche Apotheken nehmen abgelaufene oder nicht verbrauchte Mittel zurück; gesetzlich verpflichtet sind sie dazu nicht. Umweltexperten appellieren zusätzlich an Ärzte und Pharmafirmen. Mediziner sollten die umweltverträglichsten verschreiben, falls sie aus mehreren Medikamenten auswählen können. Bei der Entwicklung neuer Arzneien könnten Hersteller nicht nur deren Wirkung im Körper, sondern auch die Abbaubarkeit im Blick haben.

 

 

 

 

 

Warten auf Pflanzen und Tiere

Ingenieurin Brückner denkt sogar noch weiter: "Außerdem sollten Kranken­­häuser oder Altenheime mit kleineren Anlagen ausgerüstet werden, damit die Spurenstoffe gleich herausgefischt werden und nicht erst stark verdünnt in der Kläranlage landen."

In der Kläranlage Aachen-Soers ist das Pilotprojekt zur Wasseraufreinigung noch lange nicht abgeschlossen. Brückner und ihr Team wollen die gesteigerte Wasserqualität nicht nur messen können, sondern auch sehen: "Schön wäre es, wenn sich als Folge des verbesserten Abwassers auch wieder Tier- und Pflanzen­arten ansiedeln", sagt die Umweltexpertin. "Aber das kann wohl noch eine Weile dauern."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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