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Leben mit Morbus Basedow: Was muss ich wissen?

Was Betroffene beim Umgang mit der Schilddrüsen-Erkrankung beachten sollten, erklärt Roland Gärtner, Schilddrüsenexperte am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, im Interview

 

Leben mit Morbus Basedow: Was muss ich wissen?

Was Betroffene beim Umgang mit der Schilddrüsen-Erkrankung beachten sollten, erklärt Roland Gärtner, Schilddrüsenexperte am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, im Interview

von Ulrich Kraft, aktualisiert am 07.06.2018

 

 

 

 

Ernährung, Sport, Stress: Was beeinflusst einen Morbus Basedow?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herr Professor Gärtner, Sie haben tagtäglich mit Patienten, die unter Morbus Basedow leiden, zu tun. Welche Ratschläge und Regeln geben Sie den Betroffenen an die Hand?

Das hängt sehr davon ab, in welchem Krankheitsstadium sie sich befinden. Beim Morbus Basedow handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise Antikörper gegen den TSH-Rezeptor in der Schilddrüse bildet. Diese sogenannten TRAk bewirken, dass vermehrt Schilddrüsenhormone produziert werden. Heißt, die Betroffenen haben eine Schilddrüsenüberfunktion – eine Hyperthyreose –, die in der Regel mit Schilddrüsenblockern behandelt wird. Kritisch ist eigentlich nur der Zeitraum, bis sich die Hormonwerte unter der Therapie mit diesen Medikamenten wieder normalisiert haben.

Was müssen die Betroffenen in dieser Phase beachten?

Ein Symptom der Schilddrüsenüberfunktion ist ein beschleunigter Herzschlag. Deshalb sollten sich die Patienten bei koffeinhaltigen Getränken zurückhalten und auch beim Sport ist eine gewisse Vorsicht geboten. Schlägt das Herz zu schnell, bekommen Erkrankte einen Betablocker, der die Herzfrequenz in den Normbereich bringt. Ist das der Fall, können sie Sport treiben – in vernünftigen Maßen und nach dem Motto: anstrengen ja, aber nicht überanstrengen. Ein Marathon muss also nicht sein, Joggen, Schwimmen, Radfahren sind aber kein Problem.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kann zu viel Jod in der Nahrung die Schilddrüsenüberfunktion bei Morbus Basedow verschlimmern?

Theoretisch ja. Deutschland ist aber Jodmangelgebiet, wer normal isst, nimmt pro Tag etwa 120 Mikrogramm zu sich. Das liegt im unteren Normbereich und führt nicht zu Problemen bei der Behandlung des Morbus Basedow. Um den Normbereich zu überschreiten, muss man regelmäßig sehr jodreiche Nahrungsmittel wie zum Beispiel Meeresalgen zu sich nehmen. Wenn die Patienten sich gesund und ausgewogen ernähren, können sie in diesem Punkt ganz entspannt sein. Gefährlicher sind jodhaltige Kontrastmittel, die bei bildgebenden Verfahren wie dem Röntgen oder der Computertomografie zum Einsatz kommen. Vor diesen Untersuchungen sollten die Betroffenen den Arzt deshalb unbedingt auf ihre Erkrankung hinweisen.

Welche Bedeutung hat Selen?

Das Spurenelement ist vor allem bei einer leichten bis mittelgradigen endokrinen Orbitopathie, also dem Hervortreten der Augäpfel und Lidödemen, von Bedeutung. Studien belegen, dass täglich 200 Mikrogramm Selen für sechs Monate hier einen signifikanten therapeutischen Nutzen hat. Der Effekt hält auch ein halbes Jahr danach noch an und ist anderen Behandlungsmaßnahmen überlegen. Zudem führt diese Therapie dazu, dass sich die Schilddrüsenwerte schneller normalisieren. Es gibt aber nur wenige Nahrungsmittel, die viel Selen enthalten. Deshalb wird es in Tablettenform verabreicht.

Können Patienten auch selbst etwas gegen die Augensymptome unternehmen?

Ein Verhaltenstipp lautet, mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen. Liegt der Kopf tief, verstärken sich die periorbitalen Ödeme, wie wir Ärzte die charakteristischen Flüssigkeitsansammlungen im Bereich der Augen nennen. In dieser Hinsicht am wichtigsten ist, nicht zu rauchen. Um keine endokrine Orbitopathie zu bekommen beziehungsweise sie nicht noch zu verschlimmern, sollte jeder Basedow-Patient mit dem Rauchen aufhören. Sonst sind die Chancen, die Augensymptome erfolgreich zu behandeln, gleich null.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein weiterer Punkt, der viele Betroffene beschäftigt, ist das Stressmanagement. Was sagen Sie dazu?

Bestimmte Faktoren wie Nikotinkonsum oder hormonelle Umstellungen triggern die Entstehung des Morbus Basedow und können dazu beitragen, dass sich die Erkrankung verschlechtert. Stress und psychische Belastungen stimulieren die körpereigene Abwehr und kurbeln so den Autoimmunprozess eher an. Ein eindrucksvoller Beleg dafür ist, dass es in Israel ein halbes Jahr nach dem Sechstagekrieg dreimal so viele Basedowpatientinnen gab wie zuvor. Deshalb sollten die Betroffenen Stress nach Möglichkeit vermeiden, was aber oft leichter gesagt als getan ist. Kurse zur Stressbewältigung und Entspannungstechniken wie autogenes Training können hilfreich sein.

Morbus Basedow trifft vor allem Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, also in einem Alter, in dem sicherlich viele Patientinnen ein Kind bekommen möchten. Was muss im Hinblick auf eine Schwangerschaft beachtet werden?

Vor einer geplanten Schwangerschaft sollte die Schilddrüsenfunktion normalisiert und vor allem der TSH-Rezeptor-Antikörper niedrig oder noch besser negativ sein. Denn dieser geht über die Plazenta zum Kind über und kann beim Ungeborenen eine Hyperthyreose auslösen. Gelingt das Ausschalten des Antikörpers nicht mit einer medikamentösen Therapie, muss man unter Umständen die Schilddrüse entfernen. Falls die Schwangerschaft mehr oder minder ungewollt eintritt, können die Schilddrüsenblocker währenddessen niedrig dosiert gegeben werden.

 

 

 

 

 

Unser Experte: Professor Roland Gärtner, Endokrinologe und Schilddrüsenexperte an der LMU München

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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