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Rheuma: Medikamente ausschleichen?

Experte Professor Klaus Krüger über den Wunsch vieler Rheuma-Patienten, ihre Medikamente wieder loszuwerden

 

Rheuma: Medikamente ausschleichen?

Experte Professor Klaus Krüger über den Wunsch vieler Rheuma-Patienten, ihre Medikamente wieder loszuwerden

von Christian Krumm, 06.12.2018

 

 

 

 

Wieviel Therapie benötigen rheumageplagte Gelenke? Prof. Klaus Krüger befürwortet die Möglichkeit, Rheumamittel auszuschleichen - aber nur unter bestimmten Voraussetzungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Immunsystem richtet sich gegen den eigenen Körper. Abwehrzellen greifen nicht nur Viren oder Bakterien an – sondern die Gelenke. Diagnose: rheumatoide ­Arthritis, kurz Rheuma. Früher bedeutete das für die Patienten häufig viele Operationen, körperliche Behinderungen, Folgeerkrankungen wie Tumore oder Herzinfarkte.

Doch dank moderner Medikamente hat die Diagnose viel von ihrem Schrecken verloren. Zwar lässt sich Rheuma auch heute nicht heilen. Doch wenn die Therapie früh beginnt, kann man die Krankheitsaktivität gut in den Griff kriegen. Viele der Patienten haben seltener und weniger starke Beschwerden.

Sobald die Symptome kaum mehr spürbar sind, keimt bei vielen Betroffenen allerdings auch der Wunsch auf, die Medikamente wieder loszuwerden – meist aus Angst vor Nebenwirkungen. Die Apotheken Umschau hat darüber mit dem Münchner Rheumatologen Professor Klaus Krüger gesprochen.

 

 

 

 

 

Herr Professor Krüger, ist der Wunsch, weniger Medikamente zu nehmen, seitens der Patienten wirklich so groß?

Mindestens zwei Drittel haben meiner Schätzung nach diesen Wunsch. Viele davon würden sogar gerne ganz auf die Medikamente verzichten. Man muss ihnen vermitteln, dass es schon sehr gut ist, wenn man die Dosis reduzieren kann. In jedem Fall müssen die Patienten selbst das Gefühl haben, dass es ihnen gut geht.

Kann man Rheuma-Medikamente also gar nicht komplett absetzen?

Nein, das ist auch in etlichen Studien untersucht worden. Bei rund 85 bis 90 Prozent der Patienten verschlechtert sich die Krankheit innerhalb weniger Monate nach einem kompletten Absetzen. Nur in der Minderheit der Fälle gelingt es, die Medikamente ganz wegzulassen. Und das auch nicht für ewige Zeiten, sondern vielleicht für ein paar Jahre.

 

 

 

 

 

Für welche Patienten kommt ein Ausschleichen überhaupt infrage?

Der Patient muss mindestens ein halbes Jahr durchgehend in anhaltender Remission sein, also ohne Krankheitsaktivität. Das bedeutet nicht, dass er vollkommen beschwerdefrei sein muss. Doch die Symptome dürfen nur minimal sein.

Wie wird das sichergestellt?

Vor dem Reduzieren wird nochmals der sogenannte Krankheits-Score errechnet. Damit stellt der Arzt sicher, dass der Patient sich über längere Zeit im Status der Remission befindet. Einigen Studien zufolge klappt diese Einstufung besser, wenn auch bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen. Das wäre aber im Praxisalltag zu aufwendig und wird zudem von den Kostenträgern nicht bezahlt.

 

 

 

 

 

Welche Medikamente genau möchten Rheuma-Patienten denn absetzen?

Viele entwickeln auf Dauer eine Abneigung gegen Methotrexat, wir nennen es MTX. Dieses Mittel hatte einst ein schlechtes Image. Viele Patienten hören also irgendwo, dass es gefährlich sei. In Wahrheit ist es sicher eines der ungefährlichsten Medikamente – wohlgemerkt bei sachgemäßer Anwendung. Und da gibt es bei MTX tatsächlich einiges zu beachten.

Besteht eine Reihenfolge, welche Medikamente zuerst reduziert werden können?

Betrachtet man die Studienlage, ist das nicht eindeutig zu beantworten. Es gibt keine Untersuchung, die sagt, dass Reihenfolge A besser ist als Reihenfolge B. Wir lassen den Patienten mitentscheiden. Und da ist sicher die Mehrheit dafür, zuerst das MTX wegzulassen oder zumindest deutlich zu reduzieren.

 

 

 

 

 

 

Das Methotrexat könnte also komplett weggelassen werden?

Nutzt jemand eine Kombination von MTX und Biologikum (siehe Kasten) und will das MTX ausschleichen, kann das gelingen. Denn Biologika sind hochwirksame Substanzen, die die Krankheit mitunter alleine unter Kontrolle halten. Diese komplett auszuschleichen funktioniert wiederum nur selten. Aber in vielen Fällen lässt sich die Häufigkeit der Injektionen halbieren. Das ist ein realistisches Ziel.

Das erfordert aber sicher intensive Nachkontrollen?

Eine Voraussetzung ist natürlich, dass der Patient seine regelmäßigen Kon-
trolltermine zuverlässig beibehält. Man muss mit ihm besprechen, dass er sich zwischen den Kontrollterminen sofort meldet, sobald er selbst  spürt, dass die Krankheitsaktivität wieder stärker wird. Andernfalls wäre mit bleibenden Schäden zu rechnen.

 

 

 

 

 

Und die kleinen Schmerzen zwischendurch? Nicht schlimm?

Bei leichten Beschwerden durch Wetterwechsel oder leichte Überlastung kann der Patient jederzeit bedarfsweise ein antirheumatisches Schmerzmittel wie Ibuprofen nehmen. Aber immer wenn es zu anhaltenden Beschwerden kommt, muss man wieder mit der Therapie beginnen oder die Dosis erhöhen.

Bekommt man dann die Krankheit überhaupt wieder in den Griff?

Wenn man die vorher erfolgreiche Medikation in vollem Umfang wieder aufnimmt, dann wirkt sie in den ­allermeisten Fällen erneut

 

 

 

 

 

 

Ist denn jeder Rheumatologe begeistert, wenn der Patient sich weniger Medikamente wünscht?

Da wird intensiv diskutiert, nicht jeder Rheumatologe sieht das so wie ich. Letztendlich ist aber der Patient der Mitentscheider. Der Arzt sollte zu- mindest versuchen, dessen Wunsch zu erfüllen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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