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Werden Pickel durch Stress verursacht?

Druck im Job, Streit in der Familie – und schon sprießen die Pickel. Reagiert die Haut bei Belastungen tatsächlich mit Unreinheiten? Und was können Betroffene gegen die stressbedingte Akne unternehmen?

 

Werden Pickel durch Stress verursacht?

Druck im Job, Streit in der Familie – und schon sprießen die Pickel. Reagiert die Haut bei Belastungen tatsächlich mit Unreinheiten? Und was können Betroffene gegen die stressbedingte Akne unternehmen?

von Angelika Brodde, 18.06.2018

 

 

 

 

Schönheitsmakel: Wer sich zum Beispiel aus Nervosität öfter ins Gesicht langt, löst eventuell Pickel aus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Stelle schmerzt, rötet und wölbt sich: Ein Pickel kündigt sich an. Lange schien klar, dass von dieser unangenehmen Erfahrung in erster Linie Teenager betroffen sind. Doch das hat sich geändert, das Durchschnittsalter von Aknepatienten liegt heute bei 26,5 Jahren. Woran das liegt, weiß man nicht genau.

Neuerdings wird zum Beispiel der Einfluss der Luftqualität diskutiert. Einer Untersuchung aus Peking zufolge sind Pickel auf dem Vormarsch, wenn die Werte für Feinstaub, Ozon und andere Umweltgifte steigen. Fachärzte sehen mögliche Gründe für die Entwicklung jedoch vor allem in individuellen Faktoren, etwa der Ernährung oder der Lebenssituation.

 

 

 

 

 

Stressbedingtes Knibbeln: Hände aus dem Gesicht!

Eine aktuelle italienische Studie etwa rückt Stress als Pickel-Auslöser in den Fokus. Die Forschungsleiterin Dr. Anna Di Landro hatte anhand von Daten aus acht Hautklinikambulanzen 248 Aknepatientinnen mit 270 Frauen verglichen, die aus anderen Gründen in die Praxen gekommen waren. Auffälligster Unterschied: Erstere waren häufiger berufstätig als die Frauen in der Kontrollgruppe, und ihren psychischen Stress im vorangegangenen Monat empfanden sie öfter als hoch oder sehr hoch. 

Nancy Gers, Kosmetikerin in einer Apotheke in Duisburg, bestätigt diese Beobachtung: "Dass Stress Pickel macht, höre ich oft." Viele ihrer Kundinnen berichten, dass die Haut etwa vor wichtigen Prüfungen schlechter wird. "Eine einfache Erklärung dafür liegt in unseren Händen", so die Expertin. Wer nervös ist, knibbelt mehr, verteilt so Bakterien auf der Haut und fördert weitere Pickel.

 

 

 

 

 

"Hände unbedingt aus dem Gesicht!", empfiehlt auch Dr. Annette Schaefer. Die Dermatologin leitet im württembergischen Oehringen eine Aknesprechstunde. Anfangs war die Ärztin skeptisch, ob bei unreiner Haut Stress tatsächlich eine Rolle spielt. "Heute sage ich: Stress verursacht Pickel. Bei Patientinnen, die ich lange betreue, sehe ich deutlich, dass bei besonderen Belastungen Akne vermehrt entsteht oder sich deutlich verschlechtert." 

Süßes, Nikotin und Alkohol begünstigen Akne

Zum Teil sei das physiologisch begründet: "Aus der Neuroimmunologie wissen wir, dass die Haut in Stresssituationen Substanzen bildet, die Entzündungen fördern", erläutert Schaefer. Nervosität kann aber auch indirekt dem Teint schaden. "Frage ich nach, bestätigen Kundinnen, dass sie bei Stress sehr viel mehr Süßigkeiten essen als sonst", berichtet Kosmetikerin Gers. Nikotin und Alkohol begünstigen Akne ebenfalls.

 

 

 

 

 

Auch das fällt in Krisen- und Stresssituationen oft sehr schwer: Die wichtigste Zutat für eine erfolgreiche Aknebehandlung ist Geduld – das betonen beide Expertinnen. So kalkuliert Nancy Gers zwei Monate ein, um beurteilen zu können, ob eine neue Pflegeserie wirkt. "Die Haut braucht 28 Tage, um sich zu erneuern. Und echte Veränderungen zeigen sich erst nach zwei Runden."  Viele Patienten hoffen, dass verschreibungspflichtige Medikamente schneller helfen. "In der Regel dauert es aber drei Monate, bis feststeht, ob eine Behandlung optimal anschlägt", sagt Derma­tologin Schaefer.

Das können Betroffene gegen Akne unternehmen

Was können Betroffene zu Hause selbst für ihren gestressten Teint tun? "Nur gut gereinigte Haut kann gut gepflegt werden", erklärt Nancy Gers. Die Haut muss mit Spezialprodukten täglich von Verschmutzungen und überschüssigem Talg befreit werden, darf aber dabei nicht austrocknen. Die Kosmetikerin empfiehlt deshalb zudem eine leichte Feuchtigkeitspflege – am besten ein Produkt mit entzündungshemmenden Zusätzen wie dem B-Vitamin Niacinamid.

 

 

 

 

 

 

Zu Peelings rät sie nur, solange die Haut nicht akut entzündet ist. "Am besten helfen Fruchtsäure- und Enzympeelings." Die Schleif­körper in mechanischen Peelings können kleine Hautverletzungen begünstigen, dadurch werden Bakterien verteilt. Gerade bei unreiner Haut im Erwachsenenalter, der sogenannten Spätakne, spiele die Pflege eine ganz besondere Rolle, sagt Schaefer. "Oft haben die Frauen jahrelang ungeeignete Produkte verwendet. Die muss man erst einmal weglassen, um zu sehen, was für ein Hauttyp vorliegt." Die Derma­­tologin empfiehlt grundsätzlich hypoallergene, also für Allergiker geeignete Produkte.   

Außerdem sollten sich Betroffene für das Gesicht einen Stoß Gästehandtücher zulegen und diese – nachdem sie einmal benutzt wurden – bei mindestens 60 Grad waschen. Auf diese Weise werden an Akne beteiligte Bakterien beseitigt. Schaefer: "Befolgen die Patientinnen diesen Tipp, wird ihre Haut deutlich besser." Auch der Kopfkissenbezug sollte regelmäßig gewechselt werden, sagt die Ärztin. In schweren Fällen bereits nach drei Nächten. "Außerdem sollte man auch das Kissen selbst öfter austauschen. Nicht wenige Aknepatientinnen haben eine Hausstaubmilbenallergie, deshalb kann altes Bettzeug ihre Haut verschlechtern."

 

 

 

 

 

Antibiotika, Entzündungshemmer und Retinoide können helfen

In der Aknesprechstunde kommen medizinische Präparate ins Spiel. Sie enthalten Antibiotika und Wirkstoffe gegen Verhornungen, zudem Entzündungshemmer. "Solche Kombinationspräparate kann man langfristig anwenden, ohne Resistenzen zu riskieren", sagt Schaefer. Von innen helfen Antibiotika und – in schweren Fällen – niedrig dosiertes Isotretinoin. Letzteres birgt allerdings ­Risiken für Frauen im gebärfähigen Alter, einen Embryo kann es schädigen.

Bei manchen Patienten wendet Schaefer auch Lichttherapie an. Blitzlampen etwa können die Bakterienflora positiv beeinflussen. "Das funktioniert nicht schlecht", sagt die Ärztin. Die Therapie sei jedoch kein Wundermittel und müsse aus eigener Tasche bezahlt werden. Pro Sitzung werden zwischen 40 und 200 Euro fällig. Geduld ist übrigens nur während der Therapie gefragt – nicht davor. Schaefer: "Man sollte nicht zu lange versuchen, Akne allein zu behandeln. Je früher man richtig handelt, umso besser für die Haut."

 

 

 

 

 

 

Kann der Verzehr von Milch Pickel verursachen? 

Seit US-Forscher einen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Akne vermuten, diskutieren Dermatologen über das vermeintlich gesunde Getränk.  

Hautärztin Annette Schaefer berichtet, dass sich bei vielen Patientinnen die Haut verbessert, wenn sie auf Fast Food wie Riegel, Pizza, abgepackte Kuchen und Kekse verzichten. Die Ursache dafür sieht sie im hohen Milcheiweiß- und Zuckeranteil solcher Produkte. Der Zucker mit seinen schnell verwertbaren Kohlenhydraten verschlimmert das Problem, weil erhöhte Insulinwerte Entzündungen fördern.  

Doch auch Sportlernahrung und Diätpulver setzen auf billiges Milcheiweiß. Nicht selten hat die Ärztin Patientinnen, bei denen nach ehrgeizigen Sport- oder Diätprogrammen Akne auftritt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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