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Wie Psychomotorik mit der Entwicklung zusammenhängt

Die äußere Haltung sagt oft viel über die innere aus. Der Fachbegriff dafür: Psychomotorik. Es gibt aber auch eine gleichnamige Therapieform. Was das ist und wie Eltern ihr Kind fördern können

 

Wie Psychomotorik mit der Entwicklung zusammenhängt

Die äußere Haltung sagt oft viel über die innere aus. Der Fachbegriff dafür: Psychomotorik. Es gibt aber auch eine gleichnamige Therapieform. Was das ist und wie Eltern ihr Kind fördern können

von Anja Kopf, aktualisiert am 21.06.2018

 

 

 

 

Auf einem Mäuerchen balancieren stärkt nicht nur das Gleichgewicht, sondern auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorsichtig setzt Luca einen Fuß auf die erste Leitersprosse. Dann den zweiten Fuß. Nun kommt die zweite Sprosse. Die dritte. Höher und höher steigt Luca, bis er das Ende der Leiter erreicht hat. Dann stockt er. Soll ich da wirklich drübersteigen? Der Vierjährige nimmt seinen Mut zusammen, die Hände fest auf die oberste Sprosse gestützt. Erst hebt er das eine Bein auf die andere Seite, dann folgt das andere Bein. Geschafft! Flink klettert er die Leiter hinab und verkündet stolz: "Das hätte mir Mama nicht zugetraut."

Für Renate Zimmer sind das die schönsten Momente. Sie ist Direktorin des Niedersächsischen Instituts für Frühkindliche Bildung und Entwicklung und hat vor 40 Jahren die psychomotorische Förderstelle an der Universität Osnabrück gegründet. Dort können sich Kinder unter anderem ein- bis zweimal die Woche an Klettergerüsten, Balancierbalken oder dem Trampolin austoben und neuen Herausforderungen stellen.

 

 

 

 

 

Psychomotorik: Wechselwirkung von Psyche und Bewegung

Warum das für Kinder so wichtig ist? Das Stichwort heißt "Psychomotorik". Dieser heilpädagogische Ansatz beschreibt den engen Zusammenhang zwischen der Psyche und dem Körper.

Spiel und Bewegung ermöglichen es – psychomotorisch betrachtet – dem Kind, sich seiner Person, seinem Können und seinem Wissen bewusst zu werden und dadurch Selbstwertgefühl aufzubauen. "Wer dagegen wenig Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten hat, spiegelt das auch in seiner Bewegung wieder", erklärt Zimmer.

Mit diesem Grundverständnis lässt sich Psychomotorik als Konzept zur Förderung der (kindlichen) Entwicklung begreifen.

Interaktion erfolgt in Aktion

Das klappt jedoch nicht alleine, sondern im Zusammenspiel mit Gleichaltrigen. "Psychomotorik lebt von der Gruppe", sagt Dr. Melanie Lietz, die am Lehrstuhl Bewegungserziehung der Humanwissenschaftlichen Fakultät (Universität zu Köln) arbeitet. "Es gibt zwar auch Einzelförderung, doch normalerweise geschieht das durch Interaktion mit anderen, also in Gruppenstunden. Es bedarf der Auseinandersetzung, der Herausforderung, dem Nervenkitzel, um zu lernen."

 

 

 

 

 

Die vier psychomotorischen Schulen

Als Urvater dieses Konzepts gilt der Diplom-Sportlehrer Dr. Ernst Kiphard, der in den 1950er-Jahren feststellte: Bewegung hat eindeutig eine positive Wirkung auf die emotionale Entwicklung von verhaltensauffälligen Kindern. Auf dieser Grundlage haben sich inzwischen mehrere Psychomotorik-Schulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt.

So gibt es den kindzentrierten Ansatz, bei dem das Kind – weg von einer rein medizinischen und übungszentrierten Perspektive – stark in den Fokus rückt.

Der kompetenzorientierte Ansatz stellt besonders die untrennbare Einheit von Wahrnehmung und Bewegung in den Vordergrund.

Der verstehende Ansatz fragt nach dem Sinn kindlicher Handlungen, während der ökologisch ausgerichtete Ansatz von einer ganzheitlichen Sichtweise ausgeht, die neben dem Kind auch seine Lebenswelt berücksichtigt.

"Allen Ansätzen ist gemein: Das Kind darf seine Umwelt aktiv mitgestalten und wird da abgeholt, wo es gerade in seiner Entwicklung steht", fasst Lietz zusammen.

 

 

 

 

 

Psychomotorik als Therapieform

Auch wenn das Konzept prinzipiell die Entwicklung vieler Kinder – ob unsicher, aufgedreht oder impulsiv – fördern kann: (Bezahlte) Gruppenstunden gibt es oft nur auf Rezept im Rahmen einer ergo- oder physiotherapeutischen Behandlung. "Inzwischen bieten aber auch interdisziplinär arbeitende Förderzentren oder motopädische Praxen Förderstunden an, bei denen die Eltern die Kosten anteilig selbst tragen", sagt Lietz. "Die Kinder bei uns sind meist zwischen zwei Jahre bis hinein ins Grundschulalter."

Gezielten Förderungsbedarf sieht Renate Zimmer auch bei eher antriebslosen Kindern. Erschwerend kommt hinzu, dass die Motivation mit wachsendem Medienkonsum schwindet. Wie viel bequemer ist es doch, sich von Playstation, Smartphone und Co. bespaßen zu lassen. Denn natürlich heißt Bewegung auch: sich anstrengen müssen, Misserfolge in Kauf nehmen. Und letztendlich daran wachsen.

So können Eltern die Psychomotorik fördern

"Qualitative Studien haben gezeigt, dass sich die psychomotorische Förderung durchaus positiv auf die Entwicklung von Kindern auswirkt", sagt Lietz. Eine weitere Erkenntnis: Die Entwicklungserfolge des Kindes hängen von der Erwartungshaltung der Eltern ab.

"Trauen die Eltern dem Kind wenig zu oder zeigen sich in jeder Situation überängstlich, wirkt sich das auch auf das Selbstwertgefühl aus", so Erziehungswissenschaftlerin Zimmer. "Im Alltag heißt das: Wenn das Kind beim Spaziergang auf dem Bordstein balancieren möchte, dann sollten die Eltern es auch dazu ermutigen."

Wenn Zimmer mit Eltern spricht, deren inzwischen erwachsene Kinder bei den Gruppenstunden mitgemacht haben, hört sie oft Positives. "Viele sagen: 'Mein Kind hat diese Erfahrung auf den richtigen Weg gebracht, es hat gelernt, wie es seine Ressourcen besser nutzen kann.'" 

 

 

 

 

 

 

 

Auch der Ratgeber "Babys in Bewegung" gibt Beispiele, wie Eltern ihr Kind psychomotorisch fördern können

 

 

 

 

 

 

Weitere Videos mit Bewegungsanregungen für Kinder von 0 bis 18 Monate finden Sie auch direkt auf der Webseite der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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